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Allgemeine und berufliche Bildung
Schulen für das 21. Jahrhundert
von Dr. Jürgen Erdmenger
Unter diesem Titel hat die Europäische Kommission am 12. Juli 2007 eine europaweite, öffentliche Konsultation auf den Weg gebracht. Die Konsultation soll dazu dienen, Meinungsäußerungen über die Entwicklung und Modernisierung der Schulbildung in den EU-Mitgliedstaaten einzuholen. Die Kommission möchte die Bereiche ausfindig machen, in denen ein gemeinsames Vorgehen auf der Ebene der Union die Mitgliedstaaten in ihren eigenen Bemühungen zur Modernisierung der Schulen wirksam unterstützen kann. Alle interessierten Kreise, insbesondere auch aus der Zivilgesellschaft, können sich bis Mitte Oktober an der Konsultation beteiligen.
Das Handeln der EU
Diese neue Initiative der Kommission ist typisch für die Art und Weise, wie Bildungsfragen auf der EU-Ebene behandelt werden. Der EU steht nämlich in diesem Bereich nur eine Kompetenz zur Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten zu, um zur Entwicklung einer qualitativ hoch stehenden Bildung beizutragen. Die Union muss die Verantwortung der Mitgliedstaaten für die Lehrinhalte und die Gestaltung des Bildungssystems sowie die Vielfalt der Kulturen und Sprachen beachten. Sie kann und soll aber in diesen Grenzen die Tätigkeit der Mitgliedstaaten unterstützen, um gemeinsame Ziele zu erreichen. Zu diesen Zielen gehören z.B. die Förderung der Mobilität der Lernenden und Lehrenden über die Grenzen hinweg oder der Informations- und Erfahrungsaustausch zwischen den Mitgliedstaaten.
Diese begrenzte Zuständigkeit der EU im Bildungsbereich unterscheidet sich von den Zuständigkeiten, die ihr z.B. für die Land- und Ernährungswirtschaft, den freien Verkehr der Arzneimittel im Binnenmarkt oder den Verbraucherschutz zustehen. Auf diesen Gebieten kann die EU verbindliche Gesetze erlassen, die das nationale Recht verändern. Im Bildungsbereich gibt es dagegen nur drei Handlungsmöglichkeiten: erstens die finanziellen Förderprogramme für Einzelprojekte (z.B. das Programm Comenius für die Schulen http://europa.eu/scadplus/leg/de/cha/c11082.htm, zweitens die Zusammenarbeit der Regierungen der Mitgliedstaaten nach der so genannten Methode der offenen Koordinierung sowie drittens rechtlich nicht verbindliche „Empfehlungen“, die vom Rat und vom Europäischen Parlament an die Mitgliedstaaten gerichtet werden.
Der Beitrag der Zivilgesellschaft
Es wäre nun allerdings weit gefehlt, wenn man davon ausginge, die europäische Vereinigung der Waldorfschulen, ECSWE, habe als Mitglied und Träger der Allianz ELIANT in Brüssel weniger zu tun, als ihre Schwesterorganisationen in Landwirtschaft und Medizin. Nein, ECSWE muss genauso wachsam sein, wie diese. Denn es zeichnet sich seit einigen Jahren deutlich ab, dass die „sanften“ Aktivitäten der EU im Bildungsbereich einen erheblichen Einfluss auf die künftige Gestaltung der Bildungssysteme der Mitgliedstaaten haben, der auch die Schulen, die nicht in staatlicher Trägerschaft stehen, in ihrem jeweiligen nationalen Kontext berühren wird.
Dabei sollte aber auch gesehen werden, dass ECSWE mit der Unterstützung von ELIANT in den kommenden Jahren die schöne Möglichkeit und Aufgabe hat, mehr als Organisation der Zivilgesellschaft denn als Vertreter von partikularen Interessen an der Entwicklung einer menschengemäßen Erziehung und Bildung in Europa mitzuwirken. So kann ECSWE einen allgemeinen Beitrag zur Festigung der europäischen kulturellen Vielfalt leisten.
Die Aufgabe ist aktuell und konkret: bis zum 15. Oktober wird ECSWE seine Stellungnahme zum Thema „Schulen für das 21. Jahrhundert“ im Rahmen der oben erwähnten Konsultation abgeben. Wenn ECSWE das auf der Basis möglichst vieler Unterschriften für ELIANT tun kann, umso besser. ECSWE wird seinen Beitrag innerhalb eines Netzwerkes mit anderen Nichtregierungsorganisationen leisten. Einige Mitglieder von ECSWE gehören dem European Forum for Freedom in Education – effe – an. ECSWE und effe arbeiten mit 10 anderen Organisationen der Zivilgesellschaft im Bildungsbereich in der European Civil Society Platform on Lifelong Learning – EUCIS-LLL platform – zusammen.
Die Herausforderung
Um deutlich zu machen, wie umfassend und bedeutend die Aufgabe ist, hier noch einige Hinweise:
• Die Entwicklung einer qualitativ hoch stehenden allgemeinen und beruflichen Bildung ist ein wichtiger Bestandteil der so genannten Lissabon-Strategie für Wachstum und Beschäftigung, mit der die EU zu einem dynamischen, wettbewerbsfähigen, wissens-basierten Wirtschaftsraum innerhalb der Weltwirtschaft ausgebaut werden soll http://europa.eu/scadplus/leg/de/cha/c11071.htm . Die Menschen werden als Europas wichtigstes „Gut“ angesehen (Human capital).
• Die Zielsetzungen der Lissabonstrategie werden im Bildungsbereich in dem „Arbeitsprogramm allgemeine und berufliche Bildung 2010“ verfolgt. In dessen Rahmen wurden u.a. europäische Referenzniveaus (Benchmarks) entwickelt, mit denen Verbesserungen der durchschnittlichen „Bildungsleistungen“ der Mitgliedstaaten messbar ge-macht werden (z.B. Lesekompetenz, frühzeitlicher Schulabgang usw.).
• Die EU arbeitet eng mit der OECD zusammen, welche die bekannten internationalen Vergleichsstudien PISA und TIMSS entwickelt und durchgeführt hat, in denen die Lernergebnisse der Schüler getestet werden. Die Ergebnisse der Studien ermöglichen es, eine Rangfolge der Länder nach der Qualität ihrer Bildungssysteme aufzustellen http://www.pisa.oecd.org/pages/~.
• Ein wesentliches Ergebnis des EU-Arbeitsprogramms ist die „Empfehlung des Europäischen Parlamentes und des Rates vom 18. Dezember 2006 zu Schlüsselkompetenzen für lebensbegleitendes Lernen“ http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/site/de/~.pdf.
Es werden acht Schlüsselkompetenzen – z.B. fremdsprachliche Kompetenz, mathematische und grundlegende naturwissenschaftlich-technische Kompetenz, soziale und Bürgerkompetenz, Kulturbewusstsein – als Referenzrahmen festgelegt. Den Mitgliedstaaten wird empfohlen sicherzustellen, dass die Bildungs- und Berufsbildungssysteme allen jungen Menschen die Möglichkeit bieten, angemessene Schlüsselkompetenzen zu entwickeln, die sie für das Erwachsenenleben rüsten und eine Grundlage für das weitere Lernen sowie das Arbeitsleben bilden.
• Das Papier der Kommission, mit dem die oben erwähnte Konsultation zu den Schulen des 21. Jahrhunderts eingeleitet wird http://ec.europa.eu/education/school21/consultdoc_de.pdf , knüpft an die vorgenannten Punkte an. Es werden acht spezifische Fragen gestellt. Frage 1. lautet z.B., wie Lehrplan und Schulen organisiert werden müssen, um allen Schülern das gesamte Spektrum der Schlüsselkompetenzen zu vermitteln. Frage 7 fragt danach, wie Lehrkräfte ausgebildet und unterstützt werden müssen, dass sie den mit ihren Aufgaben verbundenen Herausforderungen gewachsen sind.
Engagement tut Not
In der Zusammenarbeit der EU-Mitgliedstaaten im Bildungsbereich ist durchaus an einzelnen Stellen das Bemühen erkennbar, Bildung und Erziehung an der Menschenwürde und den Fähigkeiten und Bedürfnissen des einzelnen Kindes und Jugendlichen zu orientieren. Besondere Vorkehrungen sollen beispielsweise für die jungen Menschen getroffen werden, die aus persönlichen, sozialen, kulturellen oder wirtschaftlichen Gründen unter Bildungsbenachteiligungen leiden.
Aber insgesamt ergeben sich doch deutliche Aufgaben für die Mitwirkung der Zivilgesellschaft. So ist es notwendig, darauf zu achten, dass die bildungspolitische Diskussion auf der Ebene der EU nicht einseitig in eine vom Wirtschaftswachstum bestimmte Betrachtungsweise abgleitet. Die Organisationen der Zivilgesellschaft werden auch die wichtigen Aspekte der Autonomie der Bildungseinrichtungen und der Vielfalt der pädagogischen Richtungen hervorzuheben haben. Sie werden darüber hinaus darauf drängen müssen, dass die zwangsläufig den EU-Bestrebungen innewohnende Tendenz zur Standardisierung der bildungspolitischen Aktivitäten der Mitgliedstaaten nicht über das für die Durchlässigkeit der Grenzen Sinnvolle hinauswächst. ELIANT und seine Mitglieder werden hier zusammen mit gleichgesinnten Nichtregierungsorganisationen ihren Diskussionsbeitrag zu leisten haben.
Christopher Clouder of the European Council for Steiner Waldorf Education, Core member of the ELIANT campaign, asks all colleagues and parents to sign the ELIANT petition
Although the EU, as an institution, has no direct responsibly for the educational policies in the member states there is growing indirect influence that has as been accelerated by the Lisbon process. The Council of Minsters meets regularly and through a process of bench-marking, peer-review and a sharing of good practice there is tendency for an idea regarding educational practice or policy to appear in various countries simultaneously and a drift towards discrete and informal harmonisation. The European Commission has developed many programmes, which Waldorf schools have used effectively over the years, within their competence of added measures than those provisions within the states themselves. Now they are moving into new territory through the mutual recognition of qualifications and their latest initiative in the field of childrens’ rights.
The danger is a future consolidation wherein the parental right of choice could be detrimentally affected, in the same way we have seen in the medical and agricultural sectors. To prevent this we need stronger voice in Brussels and this is done by the creation of platforms that have enough baseline support to be taken seriously. ECSWE already participates in a number of these and has represented the schools’ movement in the foundation of ELIANT.
We would therefore ask all colleagues and parents to sign the ELIANT petition and distribute it among their communities as a form of solidarity with other anthroposophical endeavours that face current threats to their freedom of action and also a preventative measure in case our schools and early year’s settings come under similar threats in the years to come.
Christopher Clouder
European Council for Steiner Waldorf Education
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